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DROMERSHEIM - (red). Zu Beginn des Konzerts des Symphonischen Blasorchesters der Katholischen Kirchenmusik Dromersheim in der Pfarrkirche St. Peter und Paul erschallte anmutig die von Martin Luther angeblich für seine Kinder komponierte Melodie „Vom Himmel hoch“ im voll besetzten Kirchenschiff. J.S. Bach hat diesen Choral später unter anderem in seinem Weihnachtsoratorium verwendet, aber auch eine kompositionstechnisch anspruchsvolle Fuge für Orgel daraus komponiert. Das Symphonische Blasorchester aus Dromersheim spielte gekonnt und facettenreich eine Bearbeitung von Albert Loritz.

Auf höchstem musikalischen Niveau erklang daraufhin als erster Höhepunkt „Between two worlds“ von Otto M. Schwarz. Die fantastische Geschichte kanadischer Holzfäller, die mit einem magischen Kanu zur Winterzeit zurück zu ihren Familien fliegen, wurde in der dramatischen sinfonischen Tondichtung bewegend in Musik verwandelt. Eindrucksvoll formte Dirigent Marco Spohn die breite Klangfarbenpalette des Dromersheimer Oberstufen-Orchesters zu ganz großem, packendem Musik-Kino. Das beeindruckende Werk forderte neben wuchtiger Klangfülle und exaltierter Rhythmik auch großes Gespür für musikalische Spannungsbögen, die Dirigent und Orchester bravourös meisterten.

Der Komponist Mario Bürki hatte die danach folgende Melodie schon fertig, bevor er das Thema dazu in Venedig fand. In der „Basilica di San Marco“ spürte er gleich, dass dieser wunderschöne Choral dorthin gehörte. Das zauberhafte Thema baut sich zweimal in inniglich und ausdrucksstark musizierten Steigerungswellen auf und mündet schließlich in großen Tutti-Stellen, in denen die Dromersheimer quasi den Klang einer großen Dom-Orgel imitierten – grandiose Momente mit garantiert lang anhaltender Gänsehaut.

Zum Sternbild der „Cassiopeia“ führte der nächste Höhepunkt des Abends mit majestätisch-ergreifenden Hornstellen im Hauptthema. Die Klangfülle des Dromersheimer Orchesters ergriff einen mit ganzer Wucht und Schönheit in dieser Komposition von Carlos Marques. Selbst die verspielten Zwischenthemen mündeten schnell wieder in ganz großem Sound, der in der wunderschönen Pfarrkirche St. Peter und Paul noch verstärkt wurde.

Dem Wunsch vieler langjährigen Besucher des Adventskonzertes kam das Orchester nun noch nach: „Besinnliche Weihnachtszeit“ sollte wieder mehr bekannte deutsche Weihnachtslieder erklingen lassen. Phantasievoll arrangiert und von schönen Gegenstimmen umspielt, erklangen bekannteste Stücke, von „Alle Jahre wieder“ bis „Stille Nacht, heilige Nacht“. „It’s a wonderful Christmas“ war dann eine unerwartete Überraschung hochkarätiger Art. Schon gleich zu Anfang sah man sich in einen Weihnachts-film versetzt – es klang stellenweise wie die Hollywood Blockbuster „Kevin allein zu Haus“ oder „Harry Potter“. Von Michael Smith komponiert wie anspruchsvolle Filmmusik, fesselte die Klang-Erzählung bis zum Schluss. Stilsicher leitete Spohn das Orchester dabei durch Breitband-Sound, kecke Rhythmik, Virtuosität und auch witzig-humorvolle Passagen. Langer, begeisterter Applaus war der Dank, bevor Hausherr Pfarrer Norbert Kley wie auch Moderator Chris Jones den Beteiligten selbst dankte und schon auf das Jahreskonzert 2018 hinwies. Bezeichnenderweise wird das Konzert des Symphonischen Blasorchesters Bingen-Dromersheim am 21. April im Rheintal-Kongresszentrum unter dem Titel „Zwischen den Welten“ stattfinden.

Abgeschlossen wurde das offizielle Programm mit der „Jingle Bells Fantasy“ des untrennbar mit Weihnachten verbundenen amerikanischen Liedes von 1850. Beschwingt und humorvoll arrangiert von John Wasson, war das Ende des Abends nicht erreicht. Überraschend folgte eine moderne Version von „Feliz Navidad“ im Big-Band-Sound. Auch dieser Genre-Wechsel gelang bravourös und unterstrich noch einmal die Vielseitigkeit des Orchesters.

Der beeindruckende musikalische Abend klang gewohnt mit „Tochter Zion“ von Händel aus, das die Konzertgäste in guter Tradition mit Orchesterbegleitung sangen, bevor die Musiker mit Ovationen vom Publikum entlassen wurden.

 

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bingen/bingen/symphonisches-blasorchester-der-katholischen-kirchenmusik-dromersheim-zeigt-in-st-peter-und-paul-seine-vielseitigkeit_18418408.htm